Endlich zurück ans Meer –
wenn auch auf Krücken!

Ich bin ja eher der aktive Typ, drinnen sitzen und nicht am Meer zu sein fällt mir schwer. Insbesondere bei dem super Wetter hier. Sobald ich wach werde und sehe, dass die Sonne scheint, juckt’s mich und ich will raus und das Wetter genießen. Na ja, das stimmt nur halbwegs. Seit dem Unfall wache ich eigentlich erst mal auf und bin genervt. Der morgendliche Gang ins Bad fühlt sich schon an wie eine halbe Weltreise. Dann auf Krücken die Treppen runter zum Frühstück. Das ist alles ziemlich nervig und frustrierend. Aber wenn ich dann erst mal was im Magen hab, kommt der Tatendrang.

Der perfekte Tag für mich endet mit Sand an den Füßen (oder am ganzen Körper) und Salzwasser in den Haaren. Wenn ich am Strand bin, den Sand zwischen den Zehen spüre und die Wellen rauschen höre, ist die Welt für mich in Ordnung. Und so habe ich auch nach der OP versucht, so schnell wie möglich wieder ans Meer zu kommen.

Ihr glaubt gar nicht, was für ein Akt das beim ersten Mal war! Das Hostel, in dem ich wohne, ist nur zwei Blocks vom Strand entfernt. Eigentlich keine zehn Minuten zu Fuß. Für Normalsterbliche, mit zwei gesunden Beinen. Aber als ich es das erste Mal nach dem Unfall bis zum Strand geschafft hatte, musste ich anschließend ein Taxi zurück nach Hause nehmen. So fix und fertig war ich vom Hinweg auf Krücken. Und da hatte ich das Meer auch nur gesehen . Mit Sicherheitsabstand. Wir saßen auf einer Steintreppe neben dem „Duke’s“, einer der bekanntesten Strandbars hier in Waikiki.

Endlich am Meer, Oahu, Hawaii

Muskelkater & blaue Flecken – aber am Meer

Das nächste Mal, dass ich wieder im Sand war bzw. mein linker Fuß zumindest wieder ein paar Sandkörner zwischen den Zehen hatte, war an Weihnachten. Ein Freund hatte mich abgeholt und mit zu sich genommen. Sein Haus liegt keine zehn Meter vom Strand entfernt. Man kann das Meer rauschen hören, wenn man auf seiner Couch sitzt!!

Als wir ankamen, legte ich meine Sachen ab, zog meinen mittlerweile völlig ausgelatschten Chuck aus und hüpfte auf meinen Krücken ans Meer. Ich kann euch sagen, ich hatte Tränen in den Augen! Es war so ein unbeschreiblich schönes Gefühl, als hätte ein Teil von mir gefehlt. Ich war endlich wieder da, wo ich hingehöre. Ich glaube, in diesem Moment war ich der glücklichste Mensch auf der Insel!

Von diesem Tag an habe ich mich durch Muskelkater in den Armen und blauen Flecken auf den Rippen (durch die Krücken) gekämpft, um so häufig es geht ans Meer und an den Strand zu kommen. Freunde wurden kreativ und haben ein paar Tricks entwickelt, um mich wieder in den Sand und ans Meer zu bekommen. Plastiktüten über den geschienten Stiefel, damit kein Sand an die Wunden gelangt, Busverbindungen bis direkt ans Meer, ein Mix aus Strandmatten und Handtüchern, um mein Bein sandfrei zu halten und – Tadaaa, ich bin zurück, da wo ich hingehöre! Im Sand und am Meer!