Rügen – auch im Winter eine Reise wert

Seebad Binz auf Rügen

Wer den Blog schon eine Weile verfolgt, kennt meine Leidenschaft für das Meer. Da Hawaii dann aber doch ein bisschen zu weit weg ist, um mal eben für ein verlängertes Wochenende Seeluft zu schnuppern, musste eine Alternative her.

Von Berlin aus ist man in wenigen Stunden an der Ostsee. Zwiebellook sei Dank, kann man dort auch bei kalten Temperaturen wunderbar am Strand spazieren gehen und sich die frische Brise um die Ohren pfeifen lassen.

Gesagt, getan. Auf nach Rügen! Ich war nun schon einige Male dort und die Insel ist echt toll. Feinsandige Badestrände, beeindruckende Kreidefelsen und Prora, die einstige Ferienanlage aus NS-Zeiten, machen die Insel zu einem echten Highlight in der Ostsee.

Die Insel ruft!

Für mich als autolose Großstädterin ist Rügen perfekt! Von Berlin aus gibt es super Zugverbindungen direkt bis nach Binz und auch auf der Insel kommt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln wirklich gut zurecht.

Rügen begrüßte uns mit grandiosem Wetter. Daher verschwendeten wir gar nicht viel Zeit im Hotel mit Auspacken, sondern machten uns direkt auf zum Naturerbezentrum Rügen nördlich des Ostseebades Binz, um uns die Insel von oben anzuschauen.

Über den Baumkronen – Weitblick zum Träumen

Der 40 Meter hohe Aussichtsturm des Baumwipfelpfades thront hoch über den Kronen des Buchenmischwaldes. Der Weg an die Spitze führt über einen Erlebnispfad in rund 17 Meter Höhe und schraubt sich dann spiralförmig um eine uralte Buche nach oben. Oben angelangt erwartete uns eine atemberaubende Aussicht.

Aussichtsturm Baumwipfelpfad Rügen

Wir hatten richtig Glück. Strahlender Sonnenschein und klare Seeluft, dazu kilometerweit freie Sicht. Wenn ihr mich fragt, ist das eine ganz zauberhafte Kombination. Bereits einen Tag später hätten wir außer den Baumkronen direkt vor und unter uns wohl nicht mehr viel gesehen. Nebel und Regenwolken tauchten die gesamte Region in ein nicht einladendes Grau.

Trotz strahlendem Sonnenschein kroch der Wind durch unsere Jacken und so tauschten wir die Aussicht dann doch bald gegen einen heißen Tee auf der windgeschützten Terrasse des angrenzenden Cafés. Dabei hätte ich dort oben Stunden verbringen und den Blick in die Ferne schweifen lassen können.

Binzer Bäderbahn

Am nächsten Tag schlug das Wetter um. Der Wetterbericht hatte uns bereits vorgewarnt, aber so schlecht hatten wir es dann doch nicht erwartet. Es regnete Bindfäden und die stramme Meeresbrise machte das Ganze nicht gemütlicher. Na ja, dann würden wir eben die Seele in der Sauna baumeln lassen.

Aber Moment mal, hatte der Hotelier nicht etwas von einer Bäderbahn erzählt?! Bevor wir uns der Hotelsauna widmeten, trauten wir uns waghalsig in das Mistwetter. Wir machten uns also auf zur Binzer Bäderbahn, einer kleinen Bimmelbahn, die verschiedene Stationen im Ostseebad Binz anfährt und für Gäste mit Kurkarte kostenfrei ist.

Unfreundlich begrüßte uns der Fahrer und verlangte unsere Fahrscheine bzw. Kurkarten. Ich dachte ja immer, die Berliner seien unfreundlich, aber dieser Zeitgenosse war anscheinend mit dem falschen Fuß aufgestanden. Unserer Stimmung tat das keinen Abbruch. Wir stiegen gut gelaunt in die noch fast leere Bahn und freuten uns über unseren Plan, viel zu sehen und dabei so trocken wie möglich zu bleiben.

Trocken war es auch, nur gesehen haben wir nicht viel. Denn wir waren nicht die einzigen, die die Idee mit der Bäderbahn hatten. Und so saßen wir schließlich dicht an dicht mit anderen Urlaubern in dem kleinen Wagen. Durch das Wetter waren die Scheiben dann auch noch so beschlagen, dass man von der Welt außerhalb der Bahn leider kaum etwas zu sehen bekam. Egal, wir hatten trotzdem Spaß!

Rügens Kreidefelsen

Kreidefelsen am Nationalpark Jasmund auf Rügen

An Tag drei war der Wettergott uns dann wieder etwas wohlgesinnter. Bei Rügen denkt man ja als erstes an Kreidefelsen. Auf der Halbinsel Jasmund befindet sich der Nationalpark Jasmund, der seit 2011 zum UNESCO-Welterbe zählt. Die Küste entlang des Nationalparks ist geschmückt von imposanten Kreidefelsen. Die wohl bekannteste Formation ist der Königsstuhl am nördlichen Rand des Parks. Genau da wollten wir heute hin.

Kreideküste und kaputtes Sprunggelenk. Im Herbst! Bei den Witterungsverhältnissen! Wenn das mal keine guten Voraussetzungen für das Wandern an den Kreidefelsen waren?!

Überall hingen Schilder, die zur Vorsicht aufriefen, da sich vor kurzem Teile der Kreidefelsen gelöst hatten und die Küste hinab gestürzt waren. Die Schilder sahen wir allerdings erst auf dem Rückweg. Gut gelaunt kraxelten wir also die steilen Stufen zum Strand hinunter. Unten angekommen herrschte reges Treiben. Wir waren scheinbar nicht die einzigen, die die Trockenphase nutzen wollten.

Zunächst hatten wir das ambitionierte Ziel, bis zum Königsstuhl zu laufen. Als dieser aber auch nach 1,5 Stunden Weg über den unebenen Kieselsteinstrand noch in weiter Ferne lag, die Dämmerung allerdings immer näher rückte, kehrten wir um. Doch bereits die Aussicht, die sich uns bereits bis da bot, entschädigte für das nicht erreichte Tagesziel.

Urlaubsüberbleibsel für Zuhause

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, hatte ich den Muskelkater meines Lebens! In den Schienbeinen! Abgesehen davon, dass ich nicht einmal wusste, an dieser Stelle Muskeln zu besitzen, die man derart überlasten kann, kam mir unsere Wanderung auch nicht so anstrengend vor. Aber Muskelkater lügt nicht. Der weiß es besser. Und erinnert dich auch Tage später noch an deine Überheblichkeit. In der Tat hatte ich auch nach unserer Rückkehr nach Berlin noch Spaß mit diesem hartnäckigen Zeitgenossen in meinen Unterschenkeln. Aber das war es mir wert!

Allen, die auf den obligatorischen Sprung ins Meer nicht zwangsläufig Wert legen, kann ich einen Trip an die Ostsee auch in der kalten Jahreszeit wärmstens empfehlen. Die kühle Brise, die frische Seeluft und vor allem das sanfte Rauschen des Meeres sind einfach Balsam für die Seele.

Sonnenuntergang am Schmachter See in Binz auf Rügen

Analena Hahn, Online Marketing