Das Leben im Hostel –
Mehrbettzimmer & Freundschaften für’s Leben

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Urlaub im Hostel?! Seitdem ich denken kann, sind meine Eltern mit meinem Bruder und mir in Club-Anlagen gefahren. Mindestens 3,5 Sterne. Lieber 4. Und nie mehr als 300 Meter vom Meer entfernt. Aber eigentlich ist man vom Pool direkt an den Strand gefallen.

Auch die ersten Urlaube alleine bzw. mit Freunden gingen in schillernde Ferienanlage. Diese waren schließlich das Einzige, das ich kannte. Man war gut behütet und musste sich um nichts kümmern. Tolle Zimmer, super Essen – und das rund um die Uhr. Dazu dann noch das entsprechende Entertainmentprogramm, von Aqua-Fitness bis Abendshows. Für Familien mit Kindern eigentlich super, oder? Aber für einen Teenager bzw. Studenten? Puh, ganz schön spießig.

Als ich damals zum Studieren in die USA ging, wollte ich die Welt entdecken und meinen eigenen Weg finden! Das hieß für mich auch eine andere Form des Reisens zu entdecken. Und deshalb ging es zum ersten Mal nach Ende der Ära „Klassenfahrten“ in ein Hostel. (Zu Klassenfahrtenzeiten nannte sich das Ganze ja noch Jugendherberge. Wie ich sie gehasst habe!)

Experiment Hostel oder Couchsurfing

Die ersten Trips machte ich zusammen mit Freunden. Wir schliefen in Hostels und wagten uns sogar an „Couchsurfing“. (Das ist quasi eine Gemeinschaft oder Plattform, wo Menschen Reisenden ihre Couch für ein oder zwei Nächte kostenfrei zur Verfügung stellen.) Wie heißt es so schön, wir waren jung und brauchten das Geld ;). Beides waren nun mal günstige Möglichkeiten zu reisen. Anstatt unser Geld für teure Hotelzimmer auszugeben, konnten wir so echt den ein oder anderen Dollar sparen.

Bis ich das erste Mal nach Hawaii kam, schlief ich in zwei verschiedenen Hostels. Einmal in San Francisco, das andere Mal in Las Vegas. Ich war noch nicht wirklich überzeugt, aber es war ganz okey. Mit dem Konzept Hostel, der Idee dahinter, hatte ich mich bis dahin nie auseinander gesetzt. Ich war mit einer Freundin unterwegs und wir brauchten einfach einen günstigen Schlafplatz.

Hawaii, Maui, Aloha-Surf-Hostel

Gemeinsam die Welt entdecken

Und dann kam Oahu! Bereits bei meiner Ankunft im Hostel in Waikiki war ich direkt umgeben von netten und aufgeschlossenen Menschen aus aller Welt. Es dauerte keine 24 Stunden, bis ich Anschluss gefunden hatte und mit den ersten Leuten zusammen auf dem Weg zum Strand war! Und so sollte es auch weitergehen. Jeden Tag fanden sich neue Leute, die Lust hatten, die Insel zusammen zu erkunden. Meine vorherige Angst, allein zu sein oder mich einsam zu fühlen, war wie weggeblasen. Nach den ersten Tagen hatte ich eher Sorge, keine Zeit mehr für mich zu haben. So entdeckte ich Insel für Insel und lernte tolle Menschen aus aller Welt kennen. Jeder hatte seine eigene Geschichte, seine eigene Motivation. Aber eins hatten wir alle gemeinsam: Wir wollten die Welt entdecken, Tolles erleben und neue Menschen kennen lernen.

Hostels bieten eine super Möglichkeit, sich in einer fremden Umgebung leichter zurecht zu finden und schnell Anschluss zu finden. Egal, ob man alleine unterwegs ist oder mit Freunden. Egal ob 2-Bett-Zimmer oder 12-Bett-Schlafsaal, ob gemischtes oder reines Frauenzimmer – man kann das Level der Privatsphäre mit beeinflussen. Manche Hostels bieten für jedes Zimmer ein eigenes Bad an. Bei anderen gibt es nur Gemeinschaftswaschräume.

Reduzierte Privatsphäre und Party am Abend

Ich finde es völlig okay, für ein paar Wochen in einem Mehrbettzimmer zu schlafen. Auch, sich das Bad mit mindestens 8 anderen Menschen (tendenziell eher mehr) zu teilen. Man gewöhnt sich an die reduzierte Privatsphäre. Man ist ja eh nur zum schlafen dort. Aber als ich mich entschied, für drei Monate nach Hawaii zu gehen, wurde mir bei dem Gedanken schon ein bisschen anders. Man kann nicht einfach mal die Tür hinter sich zu machen oder einen Tag mit Netflix im Bett verbringen, ohne dabei gestört zu werden. Es sind immer andere Menschen da. Immer!

Im Nachhinein muss ich sagen, dass es eigentlich ganz angenehm war . Da ich so lange dort war, schlief ich in einem „Semi-private room“. Das ist ein 2-Bett Zimmer, das sich mit einem gemischten 6-Bett-Zimmer das Bad teilte. Meine Mitbewohnerin war super, ich hatte riesiges Glück. In Berlin wohne ich allein. Ich bin es nicht gewohnt, ständig Menschen um mich herum zu haben. Wenn man im Hostel lebt, ist immer jemand da. Und das ist eigentlich echt schön. Schon beim Frühstück trifft man andere Reisende. Häufig haben wir beim gemeinsamen Warten auf den Toaster spontan Pläne für den Tag geschmiedet. Man hat sich auf dem Rückweg vom Strand vor’m Eingang getroffen und zack, war man zum Abendessen verabredet! Regelmäßig wurden abends zusammen Filme geguckt und die eine oder andere Flasche Bier bzw. Wein geleert. Es war gesellig, offen, herzlich.

Ich habe im Hostel unglaubliche Menschen getroffen. Menschen, denen ich so wahrscheinlich nie begegnet wäre. Mit denen ich im „normalen Leben“ nie ins Gespräch gekommen wäre. Es waren interessante Charaktere dabei, ich habe spannende Lebensgeschichten gehört und sogar Freundschaften für’s Leben geknüpft. Die Menschen in Hostels sind einfach ein besonderer Schlag Mensch. Aufgeschlossen, gesellig, interessiert. Ich glaube, selbst wenn ich finanziell nicht mehr auf kostengünstige Reiseoptionen angewiesen wäre, würde ich weiterhin in Hostels unterkommen. Einfach, weil ich die Menschen und die Atmosphäre dort so gerne mag.