Fallschirmsprung –
einfach mal die Perspektive wechseln!

Fallschirmsprung

Ein Fallschirmsprung war etwas, das ich seit meiner aller ersten Reise nach Hawaii machen wollte und zwar nur dort! Die ersten Jahre kam aber immer irgendwas dazwischen – das Wetter, 40 Grad Fieber, kalte Füße. So verschob sich dieses Abenteuer von Jahr zu Jahr. Fünf Jahre später war es nun aber endlich soweit …

Im Hostel in Waikiki traf ich eine andere Deutsche, die ich zu einem Fallschirmsprung überreden konnte. Und das trotz ihrer Höhenangst! Als wir eines Abends in Waikiki in einem Restaurant warten mussten, riefen wir also bei Pacific Skydive an. Wir hatten beide Bammel ohne Ende und hofften trotzdem, kurzfristig noch am nächsten Tag einen Fallschirmsprung wagen zu können. Fehlanzeige! Wir zwei Angsthasen mussten tatsächlich noch einen ganzen Tag mit unserer Angst fertig werden. Na super!

Wir vereinbarten also, dass das Thema Fallschirmsprung tabu sei, bis der Wagen uns morgens um 4:30 am Hostel abholen würde. Wie also die Zeit am besten überbrücken und sich ablenken? Richtig, durch körperliche Betätigung! Bei uns artete das Ganze allerdings etwas aus. Es endete in körperlicher Verausgabung. An diesem Tag erklomm ich nämlich zum ersten Mal Koko Head.

Dann endlich war der Tag war gekommen! Wir hatten zwar wenig geschlafen, aber Dank des Sportprogramms wie Babys. Im Bulli-Bus gab es schon das erste Aufklärungsvideo. Und die erste Einverständniserklärung – Springen aus freier Entscheidung, Lebensgefahr, etc. etc. Dieser Wisch hilft jedem nervösen Teilnehmer sich zu beruhigen und zu entspannen – NICHT! Wobei ich ehrlich gestehen muss, dass sich unsere Nervosität noch in Grenzen hielt. Schlimm wurde es erst, als wir in den Flieger einstiegen. In diesem Moment realisierte ich, dass Will – mein Tandempartner und Lehrer – und ich als letztes eingestiegen waren. Kleines Einmaleins: Wer zuletzt einsteigt, muss auch als erstes wieder raus. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schnell mein Herz schlug, nachdem ich das realisiert hatte! Diese Jungs geben sich aber wirklich alle Mühe, um einen mit Scherzen von der Angst und Nervosität abzulenken. Da kommen dann so Sprüche wie „Mach dir keine Sorgen, Jesus ist bei uns! Oh, warte, Jesus steht nicht auf Fallschirmsprung. Dann sind es doch nur du und ich!“. Oder „Also, falls wir uns unterwegs verlieren sollten, warte einfach bei den weißen Dächern da unten, okay?“. Nicht nötig zu erwähnen, dass wir an einem Fallschirm hängen würden, oder?!

Wir befanden uns also inzwischen auf dem Weg, die Sprunghöhe von mindestens 14.000 Fuß zu erreichen. Die Bedingungen waren top. Es war früh morgens, die Sonne ging gerade auf. Es waren keine Wolken am Himmel und vom Wind blieben wir auch verschont. Dazu kam noch diese traumhafte Location. Das Flugfeld, von dem wir starteten, das Dillingham Airfield, liegt nämlich an der wunderschönen North Shore, also der Nordküste der Insel, dem Hotspot für Surfer. Ich konnte es kaum erwarten, diese nun auch von oben zu bewundern. Ich bekam eine kurze Einweisung von Will („Ach, wie wir landen, erkläre ich dir, wenn wir in der Luft sind“) und dann ging es auch schon los.

Mein erster Fallschirmsprung – Glücksgefühle und Adrenalin pur!

Die Tür ging auf und der Erste sprang mit Anlauf aus dem Flieger. Mein Herz sackte in die Hose, die Augen wurden weit. Hilfe! Jetzt wurde es ernst. Mein Kameramann kletterte an den äußeren Rand der Maschine, um auch keine Sekunde meines Sprungs zu verpassen. Wir rückten an die Tür und bevor ich noch einmal tief durchatmen konnte, hatte Will uns auch schon aus der Maschine gestürzt. Freier Fall, beginnend mit einem Rückwärtssalto. Ach du Sch …! In diesen Sekunden zweifelte ich ernsthaft an meiner Entscheidung. Aber nun war es zu spät, wir flogen bzw. fielen.

Fallschirmflug_Glücksgefühle

Als wir dann endlich ohne weitere Saltos weiter gen Boden düsten, sah ich die volle Schönheit dieses hawaiianischen Morgens. Rechts die Berge, links der Pazifik und vor uns ging die Sonne in ihrer vollen Pracht auf. Meine Angst vor dem Fallen hatte sich in Luft aufgelöst. Durch die immense Entfernung zum Boden verliert man etwas den Bezug zur Wirklichkeit. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt.

60 Sekunden freier Fall

Der freie Fall dauerte rund 60 Sekunden. Das war die längste Minute meines Lebens. Die Zeit, bis der Fallschirm endlich aufging, kam mir vor wie eine Ewigkeit. Unser Kameramann versuchte uns zu lustigen Aktionen zu bewegen. High-Five in der Luft (fast ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man fällt), Superman-Posen und noch so einiges mehr. Das Grinsen war aus meinem Gesicht nicht mehr wegzukriegen.

Als Will den Fallschirm öffnete und wir in die Seile fielen (man wird ja doch ganz schön ausgebremst), begann der ruhige und sehr friedliche Teil. Wir schauten uns die Berge und Strände an und beobachteten die Surfer, die so früh schon auf ihren Boards nach Wellen jagten.

Ich weiß, ein Fallschirmsprung ist nicht jedermanns Sache. Aber wenn ihr ein bisschen Nervenkitzel mögt und die Welt mal aus einer anderen Perspektive sehen wollt, macht es! Ihr werdet es nicht bereuen!